Preisträgerin Lea Schücking

Home / Allgemein / Preisträgerin Lea Schücking

LEA SCHÜCKING – SHARDS

Kunsthochschule Kassel, Kategorie LIVING

Lea Stücking hat eine Tischlerausbildung absolviert, studiert Produktdesign an der Kunsthochschule Kassel und steht kurz vor ihrem Diplom. Sie arbeitet gerne experimentell und werkstoffübergreifend. Die Kombination verschiedener Materialien beziehungsweise das Entwickeln ganz neuer Materialien reizt sie besonders. Sich theoretisch mit Werkstoffen zu beschäftigen, sich Gedanken über ihren sinnvollen Einsatz zu machen, ressourcenschonend zu denken und zu handeln, sollte ihrer Ansicht nach, eine Selbstverständlichkeit im Beruf eines Produktdesigners sein. Kennzeichnend für Ihre Arbeiten ist auch die bewusste Synthese von Konzept und Zufall.

           

Die Fliesenserie Shards zeigt, welches Potenzial im Upcycling regionaler Baumaterialien stecken. Shards erfüllt überraschend sowohl das Bedürfnis nach einer neuen Fliesenserie für eine nachhaltige Wohnkultur, wie auch nach einer rohstoffsparenden ökologisch verantwortungsvollen Produktion mit einem umweltentlastenden Herstellungsverfahren. Der Designentwurf der Fliesenserie Shards ist darüber hinaus ein Urban Mining Projekt: Ausrangierte oder aus Bauschutt stammende Ziegel und recyceltes Glas werden zerkleinert, vermischt und zu Fliesen gebrannt.

Die Art und Farbe des Ziegelmehls, das Mengenverhältnis des Glases und die Temperaturkurve verleiht den Shards verschiedenste Farbtöne und Haptiken mit einer lebendigen Oberflächenstruktur. Die Farbpalette reicht von Sandbeige, Erdbraun und Ocker bis zu frischen und zarten Grün- und Türkistönen. Da jede Fliese ein Unikat ist, erzeugen ihre subtilen Variationen eine lebendige Ästhetik.

http://www.goldholunder.de/

 

Lea im Interview:

1. Was hat Dich zu Deinem Entwurf inspiriert?

Materialien zu entwickeln und Rohstoffe zu kombinieren, fand ich schon immer spannend – besonders wenn die Kombination zweier Rohstoffe etwas ganz neues und Eigenes entstehen lässt. Die Idee, Bauschutt zu verwenden, kam mir im Rahmen eines Uni-Projektes zum Thema Upcycling. Ich wollte Rohstoffe nutzen, die in großen Mengen verfügbar sind und als „Abfälle“ verkannt im Container landen. Dass aus „Shards“ ein Business werden kann, zeigte mir das große Interesse von außen. Durch Urban Mining – die Verwendung von Sekundärrohstoffen der Stadt – kann viel bewegt werden und ich freue mich, wenn ich als Produktdesignerin dazu beitragen kann.

Ein neues Material zu entwickeln ist immer ein waagemutiges und zeitintensives Unterfangen, bei dem es wichtig ist, für Veränderungen offen zu bleiben und das Material nicht in ein Korsett zwängen zu wollen. Man arbeitet sich Schritt für Schritt vor und stellt lange Versuchsreihen an. Aber irgendwann kommt dann der Moment, wo man sich entscheiden muss, ob man mit dem Material geht oder mit der geplanten Anwendung. In meinem Fall habe ich lange versucht, das Material als Schale zu formen. All die aufwendig hergestellten Schalen kamen jedoch flach aus dem Ofen. Aus purer Frustration ließ ich das Projekt vorerst ruhen und widmete mich anderen Dingen. Es brauchte Monate bis mir eines Tages plötzlich klar wurde, was das Material werden wollte und wie ich es anstellen könnte. Dass war die Geburtsstunde der Fliesen „Shards“.

 

2. Wie und womit hat Dich das Förderprogramm der HDC der Markteinführung Deines Designentwurfes nähergebracht?

Einen Designentwurf in die Welt zu befördern, bedarf immer finanzieller Mittel und Unterstützung. Man muss größere Ausgaben wagen, um dem Ziel der Markteinführung näher zu kommen. Das Förderprogramm der HDC stellt jedem Gewinner eine Summe von 3000 Euro zur Verfügung, die man sich nach den getätigten Investitionen zurückholen kann. Das entlastet ungemein und kurbelt die Entwicklung eines Entwurfs/Produktes an. Außerdem ist es wertvoll, zu erfahren, dass Andere an die Realisierung des eigenen Produktes glauben.

 

3. Welche Erfahrungen hast Du aus dem Mentorenprogramm der HDC gesammelt?

Ein Mentorenprogramm ist so vielfältig wie die Menschen und Produkte, die daran beteiligt sind. Da in dem Mentorenprogramm der HDC der zeitliche Rahmen sehr knapp ist, entsteht ein gewisser Druck, das Produkt schnellstmöglich am Markt zu platzieren. Ich fände es gut, das Mentorenprogramm über einen längeren Zeitraum anzubieten, da jedes Produkt seine eigene Zeit benötigt. Eine Markteinführung ist in der Regel ein langwieriges und nicht immer planbares Unterfangen bei der eine längerfristige Unterstützung von großem Wert ist.

 

4. Wo siehst Du Deinen Entwurf in den nächsten fünf Jahren?

Ich glaube, dass Verbraucherinnen und Verbraucher schon lange bereit sind für mehr Produkte aus Sekundärrohstoffen. Ich sehe meine Fliesen in vielen Küchen, auf Terrassen, in Gastronomiebetrieben und im Wellnessbereich. Das Schöne an einer Materialentwicklung wie dieser ist die stetige Möglichkeit der Weiterentwicklung. Für „Shards“ bedeutet dies nicht nur neue Formatgrößen und Anwendungsbereiche, sondern auch eine Erweiterung der Ausgangsrohstoffe und damit auch der Produktpalette. Es gibt meiner Meinung nach keine Gründe, Fliesen aus Bauschutt nicht den Vorrang zu geben.

Ich hoffe innerhalb der nächsten 5 Jahre die richtigen Partner gefunden zu haben, mit denen ich das volle Potenzial von „Shards“ entfalten kann. Ich freue mich auf diesen Weg und bin gespannt auf die Rohstoff- und Projektwelten, die mir dabei begegnen.

 

5. Wie wird es beruflich weitergehen? Möchtest Du ein eigenes Unternehmen gründen oder in die Forschung gehen oder erst einmal Erfahrungen bei anderen Designstudios sammeln?

Ich möchte stets das tun, was mir Freude bereitet. Wie genau das ausschauen wird, wo es stattfindet und welche Form es annimmt, weiß ich noch nicht. Der Zufall ist ein unkalkulierbarer Faktor, der den Plänen neuen Wind einhaucht. Ich möchte immer für diesen Wind offen sein.